Webagentur oder Werbe­agen­tur für die Ge­stal­tung des Internet­auf­tritts?

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Wer ist besser für das Web?

Der bewährte Hausgrafiker ist oft­mals nicht die geeignete Person, um den Internetauftritt eines Kunden zu gestalten. Werbeagentur und Web­agentur erbringen nicht zwangs­läufig die gleich gute Dienst­leistung. Er­fol­ge im Internet sind nur sichtbar, wenn sich Grafiker in die neue Media ein­arbei­ten und sich die Gesetze des Inter­nets zu Herzen nehmen und umsetzen.

WebdesignQuelle: Gerd Altmann auf Pixabay.com

Inhaltsver­zeich­nis: Web­site-Er­stel­lung

Ein guter Inter­net­auftritt

Was ist überhaupt ein guter Internet­auftritt? Gute Auftritte über­zeugen zu­mindest in vier Punkten:

  • Design
  • Inhalt
  • Technik, Usability (Benutzerfreundlichkeit)
  • Marketing

Das Design ist derjenige Punkt, der am schnellsten ins Auge fällt. Die Bewertung eines Designs ist immer schwierig, da vollkommen subjektiv. Denn welches Design gefällt schon jedem Betrachter? Das Design muss immer im Zu­sam­men­hang mit der Zielgruppe gesehen wer­den. Objektiver sind da schon Infor­mationen, wie sich das Design zum In­halt verhält. Auf guten Websites muss sich das Design nicht dem Inhalt unter­ordnen, sondern den Inhalt dezent unter­stützen.

Ein guter Inhalt, neudeutsch Content genannt, kann einen Besucher wirklich überzeugen und begeistern. Am besten ist es, wenn der Surfer gleich ein Lese­zeichen auf ein Angebot setzt oder eine Seite ausdruckt und damit Infor­ma­tio­nen in die reale Welt übernimmt.

Die Technik sollte eigentlich nicht sicht­bar sein, sondern das Design und den Inhalt dezent unter­stützen. Das Thema Benutzer­freund­lich­keit und ein tadelloses Funktionieren aller Elemente gehört genauso in diese anspruchsvolle Rub­rik.

Ohne ein angemessenes Marketing wird die Website von der Zielgruppe nicht gefunden. Eine erfolgreiche Marke­ting­aktion arbeitet mit Offline- als auch mit Online-Werbemassnahmen.

Relativ neues Medium

In der Anfangszeit des Fernsehens wur­den TV-Spots noch vorgelesen. Die Erfahrungen aus der Radio-Werbung wur­den 1:1 übernommen. Es dauerte einige Zeit, bis man das neue Medium Fernsehen verstand und entsprechend ein­setzte. Ähnliches erleben wir heute im Internet. Die Erfahrungen aus dem Printbereich werden von vielen Grafi­kern 1:1 übernommen.

Papier-Unterlagen bestehen nur aus Text und Bildern. Ggf. spielt das Material resp. der Geruch noch eine gering­fü­gige Rolle. Eine Website kann jedoch meh­rere verschiedene Informationsträger einbinden: Texte, Fotos, Grafiken, Skizzen, Video­sequenzen, Animationen, Musik, Tonsequenzen. Der multimediale Einsatz spricht beim Nutzer gleich­zeitig mehrere Sinne an. Darauf ist bei der Gestaltung eines Internetauftritts unbe­dingt Rücksicht zu nehmen. Je nach Ausgabegerät wird der Auftritt anders wahrgenommen.

Bedienungsfreundlich­keit

Viele Internetauftritte von profes­sionel­len Grafikern sind in der Tat schön anzusehen. Viele Designer konzen­trie­ren sich ausschliesslich darum, schöne Websites zu gestalten. Bedienerfreundlichkeit, Technik und Such­maschi­nen­opti­mierung sind nicht ihr Ding. Man darf nicht vergessen: Die Surfer wollen kein Webdesign kon­sumie­ren, sondern von einem konkreten Kundennutzen profitieren.

Bei der Bedienungsfreundlichkeit hapert es aber oftmals gewaltig. Vielfach wer­den solche Internet­präsenzen in ei­ge­nen Fenstern geöffnet, die den Surfer über die gewohnten Browserbefehle be­rau­ben. Wieso versuchen Grafiker, die Nutzer zu bevormunden? Wieso nehmen sie keine Rück­sicht auf die gewohnte Benutzerführung im Internet? Natür­lich ist die Gestaltung eines Auftritts in einem Fenster, welches immer die gleiche Grösse hat, für den Grafiker wesentlich einfacher. So kennt es der Ge­staltungsfachmann seit lan­gem vom Papier her. Der Anwender mit einem grossen 17″- oder sogar 20″-Bild­schirm sieht hingegen nicht ein, wieso sich der ganze Auftritt in kleinen Fensterlein mit winzigen Schriften abspielen muss.

Änderungsfreund­lich­keit

Die Websites von Grafikern sind oft so filigran, dass selbst kleinste Änderungen eines Textes oder das Hinzufügen ei­nes neuen Punktes in der Navigation mit sehr viel Pflegeaufwand verbunden ist. Solche Websites können vom Kun­den kaum selbst gepflegt werden. Teure Grafikkosten führen dazu, dass diese Websites, vor allem bei KMU, kaum je aktualisiert werden. Bei den Kunden, die ihre Websites selbst pflegen wollen, ist darauf tunlichst Rücksicht zu neh­men.

Gültigkeit

Prospekte können oftmals über mehrere Jahre verteilt werden, sofern sich das Angebot nicht verändert hat. Websites, die über Monate nicht aktualisiert wur­den, werden schlicht nicht mehr besucht. Sie sind de facto tot.

Es sollte zumindest eine Seite, zum Beispiel die Rubrik News, vom Kunden selbst gepflegt werden können. Die Ak­tua­lisierung dieser einen Seite muss direkt im Browser möglich sein. Dazu eignen sich zum Beispiel einfachste, teils sogar kostenlos erhältliche Re­dak­tionssysteme.

Die Zugriffszahlen von ungepflegten Websites sind extrem niedrig. Kein Wunder, im Web erwartet der Besucher ak­tuelle Informationen. Veraltete Angaben verärgern Surfende und schaden letztendlich dem Ansehen des Web­site­be­trei­bers.

Genauigkeit

Grafiker sind es gewohnt auf den Millimeter genau zu arbeiten. Die im Internet üblichen HTML-Seiten hingegen wur­den nie für modernes Design ent­wickelt. Um dieses Manko auszu­gleichen, arbeiten viele Grafiker gerne mit der so­ge­nnanten DHTML-Technik. Leider funktioniert DHTML nicht auf allen Systemen gleich zuverlässig.

In Schönheit sterben

Für Grafiker ist das Design in der Regel wichtiger als der Inhalt. Für die meisten geschäftlichen Surfer ist die In­for­mation jedoch wichtiger als die Verpackung. Bei vielen Webdesigns ist kein Platz für einen zusätzlichen erklärenden Satz. Dieser würde das schöne Design zer­stören …

Solche über­designten Seiten sind u. a. daran zu erkennen, dass nicht gescrollt werden kann. Schliesslich wird auf Papier nicht gescrollt. Wirklich nicht? Gescrollt wird beim Zeitungslesen schliesslich mit den Augen. Ergo: Die Ge­staltung muss den Inhalt unterstützen und nicht von ihm ablenken.

Emotion gegen In­for­mation

Bei Farbprospekten wird meistens über die Emotion verkauft und nicht über die spezifischen Details eines An­ge­botes. Im Internet wird aber niemand banale Werbesprüche lesen, sondern infor­mative Fakten abrufen wollen. Selbst­ver­ständ­lich müssen diese ent­sprechend attraktiv und zweck­dienlich verpackt sein.

Gefunden werden im Netz der Netze

Neben dem Design und dem Inhalt gibt es beim Erstellen einer Internetpräsenz einen weiteren Punkt im Auge zu behalten, der bei Prospekten wegfällt: Eine Website muss für die Such­maschi­nen entsprechend optimiert werden, damit eine Seite überhaupt gefunden wird. Hier zeigen sich bei den von Grafikern erstellten Websites eklatante Män­gel. Internetpräsenzen, die nur aus wenigen Fotos, wenig Text und viel technischem Code bestehen, haben we­nig Chancen auf eine gute Position in den Suchmaschinen. Die Optimierung einer Website für die Suchma­schinen erfordert doch einiges an speziellem Fachwissen, vor allem bei stark umkämpften Schlüsselwörtern.

Fazit

Auf Berichten auf Papier wird oftmals am Schluss ein Fazit gezogen. Auf dem Bildschirm kommt das Fazit zuerst, es muss den Besucher zum Lesen des Artikels animieren, ihn richtiggehend für den gesamten Beitrag neugierig machen.

Prospekte im Internet

Die Gefahr ist gross, dass die Printidee für die Website einfach adaptiert wird. Damit wächst die Gefahr enorm, dass der Webauftritt nur eine 1:1 Kopie zum digitalen Prospekt wird. Berücksichtigt werden muss beim Webdesign un­be­dingt das spezielle Leseverhalten am Bildschirm und die Möglichkeit des Besuchers interaktiv agieren zu kön­nen.

Wer macht die Web­site?

Der Designer konzentriert sich vor allem auf die Optik. Der Text muss sich jeweils dem Design unterordnen. Der In­for­matiker kümmert sich vor allem um die Technik. Eventuell leidet darunter das Design. Der Websiteaufbau muss mit den Augen des Marketings­pezialisten gesehen werden. Der Internetauftritt soll den Kunden gefallen und nicht zum Selbstzweck werden. Wie heisst es so schön: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

Langfristig gesehen werden wohl die Ein-Mann-Webgestalter mehr oder weniger aussterben. Grössere Agen­turen ar­beiten mit einem Team bestehend aus:

  • Projektleitern
  • Designern
  • Textern
  • Programmierern
  • Marketingprofis

P.S.:

Als Zusammenfassung dieses Artikels geben wir dem viel zitierten Usability-Experten Jakob Nielsen das Wort:

„Jedes grossartige Print-Design ist meistens ein miserables Webdesign. Die zwei Medien unterscheiden sich so stark, dass zwei grundsätzlich ver­schiedene Design-Ansätze erfor­derlich sind, um deren jeweilige Stär­ken zu nutzen und die Schwächen zu minimieren.“

Autor: Walter B. Walser, kundennutzen.ch

Verfolgen Walter B. Walser:

Online-Mar­ke­ting-Mana­ger

Walser arbeitet seit 1995 mit dem In­ter­net. Er ist Gründer des pra­xis­na­hen On­li­ne-Mar­ke­ting- und Online-Tools-Ma­ga­zins kundennutzen.ch, Autor und Online-Marketing-Manager. Er half frü­her als Agenturleiter Un­ter­neh­mern 100% mehr aus Ihrer Web­site heraus­zu­holen. Er hat KMU in Bezug auf deren Web­auf­tritt be­raten und sich auf die Web­si­te-Pfle­ge, Web­si­te-Opti­mie­rung und das On­li­ne-Mar­ke­ting mit On­li­ne-Tools spe­zia­li­siert. Spezielle Interessen: Umweltschutz und Geopolitik.

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