Linkgeiz: Konkurrenz­gedanke ver­sus Weiter­empfehlung

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Online-Marketing-Beitrag

Informationen gemäss Stand vom 30.5.2021

Den Linkgeiz gibt es schon, seitdem es Blogs gibt. Doch warum geizen Blogger (und andere Website­besitzer) so mit ihren Links? Ist es richtig, nichts und niemanden zu verlinken?

Linkgeiz

Inhalts­ver­zeich­nis: Link­geiz

Die Welt der Links

Laut Statista wurden auf WordPress-Blogs mittlerweile über 74 Millionen Blogposts und knapp 79 Millionen Kom­men­ta­re veröffent­licht. Allerdings besitzen über 66% der Websites keinen einzigen Backlink. Dies ist wohl eine Fol­ge des Linkgeizes.

Dabei bieten Links zu anderen, themen­rele­vanten Webs­eiten einen Mehr­wert für alle Leser.

Von Links spricht man, wenn eine Webseite einen Verweis auf eine andere Webseite einbindet. Dabei sieht der Leser des Beitrags ein mar­kiertes Wort und kann – wenn ihn das Thema interes­siert – zur and­eren Web­seite wechseln.

Links können dabei verschieden einge­baut werden:

  • Follow oder nofollow
    Der Unterschied ist relativ einfach. Mit „nofollow“ sag ich den Suchmaschinen, dass sie diesem Link nicht fol­gen müs­sen. Somit können ihn zwar unsere Leser besuchen, für die Suchmaschinen hat er keine (oder kaum) Be­deu­tung. Dies ist bei Werbung vernünftig. Warum man alle Links auf „nofollow“ stellt? Ich kann es nicht sa­gen. Die Idee dahinter ist wohl: Ich gebe keine „Kraft“, keine „Power“ ab. Ob das wirklich funktio­niert? Ich be­zweifele es.
  • Als Wort oder als URL
    Die URL zu verlinken kann manchmal an­strengend zu lesen sein. Die URLs verwende ich deshalb meist nur als Quellenangabe. Im Text verlinke ich lieber ein paar passende Worte. So kann der Leser den Text weiterlesen (oh­ne störende URL) und kann den Link aber trotzdem besuchen.
  • Sichtbar oder unsichtbar
    Nachdem ich meine Links für meine Besucher setze, haben unsichtbare Links keinen Sinn. Der einzige Sinn, den un­sicht­bare Links eventuell haben könnten: Man will, dass die Such­maschine die Website findet, die Be­sucher aber nicht. Das ist nicht nur total daneben, es ist gefährlich. Unsichtbare Links können schnell dazu führen, dass die link­gebende Web­site abge­straft wird.

Welche Auslöser gibt es für den Linkgeiz?

Gerade die deutsche Bloggerszene geizt mit den Links. Doch warum? Welche Ursachen hat dieser Geiz mit einem Gut, dass doch nichts kostet?

Die möglichen Ursachen sind viel­schichtig:

  • Linktausch / Linkverkauf
    Häufig vergeben Blogger Links nur, wenn sie eine Gegen­leistung dafür bekom­men. Als Bloggeran­fänger tauscht man ein paar Backlinks. Später kann man diese für gutes Geld ver­kaufen.
  • Googles Vorgaben
    Es gibt von Google Vorgaben, die jeder Websitebetreibe möglichst einhalten soll. Doch es machen immer wie­der Mythen rund um den Linkaufbau die Runde. Beispiels­weise wird von vielen Blogbe­treibern verbreitet, dass nur „nofollow“ verlinkt werden soll. Sucht man aber nach diesen vermeint­lichen Vorgaben, gibt es diese nicht wirklich. Zumindest nicht in diesem Zusammen­hang. Selbst­verständ­lich ist Linktausch, Link­verkauf und jeder andere ma­ni­pu­­la­tive Back­link­aufbau nicht gern gesehen. Doch passende und lesens­werte Bei­träge an­derer Blogger darf (und soll) man weiter verlinken.
  • Kaum eigenes Gedankengut auf dem Blog
    Über jedes Thema gibt es im Netz schon mehrere Texte. Meist sind diese Texte trotzdem einzigartig, denn der Schrei­ber bringt seine eigenen Ideen, Gedanken und Tipps ein. Doch was tun, wenn dies nicht der Fall ist? Dann lassen ein paar Blogger einfach die Quellenangaben weg – und schon schauen die Ideen aus, als wären diese von einem selbst.
  • Angst & Faulheit
    Die Angst, dass der Leser dann weg ist oder dass die eigene Seite weniger „Power“ be­sitzt. Manche Blogger ha­ben Angst vor recht­lichen Problemen. Doch diese gibt es in den meisten Fällen nicht. Manchmal ist es ein­fach die Faulheit der Blogbe­treiber. Wieso sollte man sich die Mühe machen, all die Quellen einzufügen?

Linkgeiz hat verschiedene Gesich­ter

Linkgeiz muss nicht unbedingt bedeuten, gar keine Links zu setzen. Es gibt mitt­ler­weile viele verschie­dene Formen davon:

  • Findige Blogbesitzer sind schnell auf die Idee gekommen, wenn ich schon verlinke, dann eben „nofollow“. Soll der andere Blogbetreiber seinen Link bekommen, aber von meiner „Power“ – meinem Linkjuice, wie man in der Seo­szene sagt – gebe ich nichts ab.
  • Einige Blogger verlinken nur Inhalte von Blogs, von denen sie sich einen Gewinn versprechen. Beispielsweise verlinken sie ein gut rankendes Blog um einen „Trackback“ von dort abzugreifen. So ein Trackback wird auto­ma­tisch generiert, sobald ein anderer Blogger einen Beitrag verlinkt. Da dieser Trackback mit einem Link ge­koppelt ist, ist er sehr interessant. Kleine, neue und unscheinbare Blogs bleiben unterdessen links liegen.

Ein weiteres Problem ist, dass WordPress-Blogs – dem Marktführer im Bereich Blog-Software mit 38.5% Markt­anteil – alle Kommentare in „nofollow“ ausgeben. Das bedeutet, wenn ich dies nicht möchte, muss ich zuerst ein Plug-In in­stal­lie­ren. Somit sind in vielen Blog die Kommentare auf „nofollow“, obwohl der Blog­besitzer das gar nicht be­wusst ein­ge­­stellt hat.

Doch was bedeutet das für die Bloggerszene?

Immer noch gibt es genügend Website­betreiber oder Blogger, die keine Links auf andere Web­sites setzen. Die Grün­de sind viel­­schichtig, doch kann man sie meist nach kurzem Nach­denken schnell widerlegen.

Kein Blogger oder Website­besitzer braucht Angst davor zu haben, eine andere Website zu verlinken. Ein themen­relevanter, lesenswerter Link auf eine andere Website schadet weder bei der Suchmaschi­nenopti­mierung des Blogs noch wandern damit alle Besucher ab.

Wer passende Links in seinen Postings setzt, wird bald bemerken, dass andere Blogger dadurch auf ihn auf­merk­sam werden. So können Partnerschaften entstehen oder der ein oder andere Besucher kommt über den gesetzten Trackback.

Somit sind nützliche und sinnvolle Links nicht nur ein Mehrwert für die Leser, sondern sie sorgen dafür, dass das Blog in der Blogger­szene bekannter wird.

Ideen gegen den Linkgeiz

Es wird ihn wohl immer geben. Doch jeder einzelne Blogbetreiber kann sich dagegenstellen. Vier Ideen um gegen den Linkgeiz anzugehen:

  • Die Kommentare auf follow umstellen
    Auch wenn es noch ein Plug-In mehr bedeutet, es lohnt sich. Jeder, der einen – sinnvollen – Kommentar schreibt, bekommt dafür einen Backlink.
  • Blogserie mit vielen Backlinks erstellen
    Wie wäre es mit einer Serie? Die schönsten Blogs aus der Szene oder alle Informationen zu einem Thema zu­sam­mentragen? Jeweils mit fünf bis zehn Links je Beitrag.
  • Verbündete suchen
    In den sozialen Netzen finden sich viele Blogger, die gern mehr Besucher möchten. Ein Blogger wird nicht alleine erfolgreich. Desto mehr andere Blogger man kennt, desto einfacher läuft es. Auch mit den Backlinks.
  • Gastartikel schreiben und anbieten
    Oft kann ein Blogger ein paar Fachgebiete abdecken. Doch was ist mit den anderen Gebieten? Selbstverständlich kann man sich das alles anlesen. Aber warum nicht einem Spezialisten die Möglichkeit ge­ben, einen Gastartikel auf dem Blog zu veröffent­lichen.
    Genauso kann man versuchen, auf anderen Blogs Gastar­tikel unterzubringen. Diese bringen (neben dem Back­link) noch viel mehr: Bekanntheit, Leser und interes­sante Kontakte.

Fazit: Geben und Nehmen

„Das Internet lebt vom gegen­seitigen Verlin­ken. Wer dabei nur an Suchmaschinen­opti­mierung und Link­jui­ce denkt, denkt zu kurz. Links bringen Besucher, die eventuell bleiben und zu Stamm­lesern werden. Diese Le­ser­schaft ist viel wert. Doch wer keine Links setzt, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihn niemand ver­linkt. Deshalb muss sich jeder Blogger überlegen, ob der heutige Link­geiz wirklich noch zeit­gemäß ist.“

Birgit Lorz Autorin: Birgit Lorz arbeitet seit 2001 als Online Mar­keting Manager und Blogger.
Auf Ihrem Blog „Frauen im Business“ dreht sich alles rund ums Bloggen, die Such­maschinen­opti­mierung und die Verein­barkeit von Familie und Beruf.